Artikel

Startseite - Ving Tsun - Trinity - Wong Shun Leung - Videos - Artikel - Kontakt - Impressum





WSL über Ving Tsun


"Selbstverteidigung ist nur eine Illusion, unter deren dunklem Mantel ein Rasiermesser-scharfer Dolch lauert, der nur darauf wartet, in das erstbeste ahnungslose Opfer gestochen zu werden." "Wer erklärt, dass irgendeine Waffe, die heutzutage hergestellt wird, ob es nun ein nuklearer Sprengkopf oder eine 38 er Spezial ist, zum Zwecke der Selbstverteidigung gemacht wird, sollte einmal gut in den Spiegel schauen. Entweder er ist ein Lügner, oder er macht sich selbst etwas vor." "Ving Tsun Kung Fu ist eine hoch entwickelte Waffe- nichts anderes. Es ist die Wissenschaft des Kampfes, dessen Ziel das völlige Ausschalten des Gegners ist. Es ist direkt, effektiv und tödlich. Wer Selbstverteidigung erlernen möchte, sollte nicht Ving Tsun trainieren. Es wäre besser für ihn, die Kunst der Unsichtbarkeit zu erlernen." - Wong Shun Leung - Ziemlich eigenartige Worte, könnte man sagen, und noch dazu von jemandem, der über 40 Jahre seines Lebens damit verbracht hat, Kung Fu zu unterrichten; und doch haftet dem Mann, der Bruce Lee im Ving Tsun unterrichtete und William Cheung dazu inspirierte, im Alter von 13 Jahren Yip Mans Schule zu besuchen, eine ziemlich unheimliche philosophische Tiefe an. Wong Shun Leung, seit langem ein Phänomen im Ving Tsun, erwarb seinen Rang und Namen dort, wo es wirklich zählt- auf der Straße. Wong war keineswegs ein Pazifist. Mit einer ganzen Reihe gezackter Narben an seinen Knöcheln und seinem durchdringenden Blick machte er ganz den Eindruck, als hätte er eine ganze Menge menschlicher Dummheit und deren Konsequenzen miterlebt.


"Ving Tsun" von Philipp Bayer

Man sollte das Ving Tsun als Ganzes sehen, als eine individuelle Verbesserungsstrategie oder auch Fehlerkorrektur. Moderner als heutige Qualitätsmanagementsysteme wird damit das Individualverhalten im Kampf verbessert. Und es sollten sich alle Elemente deshalb auch zusammenentwickeln um von Anfang an zusammenzupassen. Wie ich schon mal an anderer Stelle beschrieb, ist es eben fatal, bestimmte Sachen zu spät zu erlernenä während sich die andere Elemente ohne dieses wichtige Zutat entwickeln müssen. Das Ergebnis ist ein völlig anderes und selten wieder zu korrigieren,- nach dem Motto: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.

Der einzige Knackpunkt ist und bleibt die Seele des Ving Tsunä ohne korrektes Chi Sau, von Lehrer zu Schüler das übertragen der entsprechenden Kräfte in enormer Geschwindigkeit, die wiederum ein bestimmtes Verhalten des Schülers generieren sollen, bleibt das wing chun ein Buch mit sieben Siegeln, wie man ja öffentlich immer wieder lesen, sehen und erfahren kann.

Ving Tsun ist nicht so zerlegbar, dass man sagen könnte - jetzt kommt das oder das,- oder wenn du den Satz hast, beginnen wir mit Sparring. Die Formen dienen zum einen, Fehler, die unter Stress entstehen, kontinuierlich zu beseitigen, den Ellenbogen "wieder" in die korrekte Position zu bringen, Körperhaltung zu schulen, sowie ein bestimmtes "Verhalten" zu erzeugen, das für einen Kampf nötig ist. Es ist also wichtig "Alles" in seiner Gesamtheit zu erlernen. Wie ich schon an andere Stelle beschrieb, ist es inutil - etwas, wie etwa die Holzpuppe, erst nach 15 Jahren zu erlernen, da die Entwicklung bereits weitgehend abgeschlossen ist. Ein bestimmtes Verhalten hat sich bereits eingestellt,- man beginnt auch dann erst bei NULL und hat groþe Schwierigkeiten etwas Neues zu integrieren. Umzulernen, auch nur kleine änderungen, bringt immer groþe Probleme mit sich. Alles zusammen, wie gesagt, ergibt ein "Gefühl fürs Kämpfen", Timing stimmt, Distanzgefühl, Schlagkraft, Situationsentscheidung, Durchsetzungsverm–gen,- schlicht die Kampfbereitschaft ist hergestellt.

Na - und dann überprüft man das System im Sparring und erkennt die Schwierigkeiten... zb. häufigste Fehler: Ellenbogen wandern nach aussen, WuSao steht immer noch nicht gut, die Beinstellung ist mies, die Hüfte steht verkehrt und dadurch ist die Beweglichkeit, Balance und Schlagkraft eingeschränkt. Das alles korrigiert man durch die Formen und Chi Sao. Sind die Fehler nahezu beseitigt, erhöht man den Stress und siehe da, neue Fehler werden sichtbar und können beseitig werden.

Diese Fehler sind sehr individuell - es gibt eben Leute, die unter Stress eher einbrechen, sich verzweifelt wegdrehen und sich dadurch noch schlechter schätzen können. Andere wiederum neigen dazu nach einem gescheiterten Gegenangriff dem Gegner das Feld zu überlassen, haben kein Durchsetzungsvermögen. Wieder andere verkomplizieren eine Situation unter bestimmten Bedingungen oder beginnen ihre Angriffe aus falscher Distanz und verschwenden unnötig wertvolle Energie. Also man sieht Ving Tsun ist was individuelles, in jedem Bereich - im Unterricht, Training und im Kampf. Jeder bringt sein Potenzial mit, das eine entsprechende Behandlung erfordert. Graduierungen spielen keine Rolle, jeder weiss um die Fehler des anderen und wird sogar darauf "angesetzt", diese zu nutzen. Jeder der Fehler hat, möchte sogar, dass sich die anderen "darum kümmern" Miteinander eben, die Durchmischung sorgt für Qualität!

"Was ist Ving Tsun"

Ving Tsun ist ein chinesisches Kampfsystem, welches der Geschichte nach zwischen dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts von einer Frau entwickelt wurde. Aus dem Bedürfnis heraus, das eigene Leben verteidigen zu müssen, wurden, unter strikter Berücksichtigung der Anatomie des menschlichen Körpers und

physikalischer Gesetze, die benötigten Elemente entwickelt. Der Tatsache, dass eine Frau Ving Tsun entwickelt hat, verdanken wir es, dass die Priorität auf der Technik und nicht auf der rohen Muskelkraft liegt. Dies bedeutet nicht, dass Ving Tsun mit seinen schock artigen Techniken nicht knallhart ist. Lediglich wurde immer die Möglichkeit eines körperlich überlegenen Gegners berücksichtigt.

Die Bewegungen des Ving Tsun sind für Anfänger sicherlich gewöhnungsbedürftig, Das System entbehrt komplett showträchtiger Bestandteile, wie sie etwa aus einschlägigen Filmen bekannt sind. Ving Tsun will auch nicht spektakulär aussehen und enthalt deshalb keine artistischen Elemente. Wie bereits erwähnt, dient Ving Tsun lediglich dazu einen Kampf möglichst schnell und sicher zu beenden. Das System ist logisch und nüchtern aufgebaut. Großer Wert wird auf die Sparsamkeit der Bewegungen sowie auf die Geradlinigkeit und Direktheit gelegt.

Auch wird berücksichtigt, dass es immer Gegner mit größerer Muskelkraft geben kann, deshalb verlasst man sich nicht auf Kraft, sondern auf Präzision, Bestandteile des Ving Tsun sind drei waffenlose Formen. Die erste Form, die Siu Lim Tao, ist eine Sammlung aller Ving Tsun-Bewegungen. Im "ABC" des Ving Tsun wird großen Wert auf den Stand, die Basis aller Bewegungen, gelegt. Schon bald nach der 1. Ving Tsun Form beginnt der Schuler mit dem Chi-Sao-Training -auch die Seele des Ving Tsun genannt. Korrektes Chi Sao-Training entwickelt die Reflexe, Schnelligkeit und Zielstrebigkeit, die in einem Kampf nötig sind. Die zweite Form, die Chum Kiu, beschäftigt sich mit Bewegungskombinationen Drehungen, Tritten und dem Schritt. Sie dient letztlich dazu, den Gegner mit den einfachsten Mitteln zu schlagen.

Die oft als Geheimform gehandelte 3. Form, die Biu Gee, wird vielfach als Angriffsform gelehrt, obwohl die Bewegungen völlig dagegen sprechen. Grundgedanke der Biu Gee ist die Meisterung von fast aussichtlosen Situationen. Parallel mit dem Studium der Chum Kiu werden Bewegungen an der sogenannten Holzpuppe erlernt, welche unter anderem die Ablaufe der 2. Form unterstützen und perfektionieren. Ein Teil der Holzpuppenform behandelt auch Techniken der 3. Form.

Weiter dient das Holzpuppentraining dazu, das Timing zu verbessern und nachteilige Kampfsituationen zu korrigieren. Ein weiterer Schwerpunkt des Holzpuppentrainings liegt in der Einhaltung von Bewegungsgrenzen, die gerade bei schnellen gegnerischen Angriffen nie überschritten werden dürfen, um so einen optimalen Schutz beim eigenen Gegenangriff zu haben. Der Unterricht mit Waffen, dem Langstock (Lok Dim Poon Kwan) und den Doppelmessern (Bat Cham Do), hat neben dem praktischen Einsatz auch positive Auswirkungen auf Ving Tsun selber. So wird zum Beispiel der Stand, die Flexibilit”t und die Koordination sowie die spezielle Ving Tsun-Kraft verbessert.

Das Training mit dem Langstock beginnt schon relativ früh, wogegen der Unterricht mit den Doppelmessern erst beginnt, wenn der Schüler in der Lage ist, seine Armtechniken wirkungsvoll einzusetzen und vollständig zu kontrollieren. Das Zentralinienprinzip sowie die daraus resultierende Schritttechnik unterscheidet sich wesentlich von dem Prinzip, welches in den Formen gelehrt wird. Würde ein Schüler zu früh mit der speziellen Schritttechnik und dem Prinzip der Messertechnik konfrontiert, müssten negative Folgen auf sein Ving Tsun befürchtet werden.